Bildung gegen Populismus?

 

Einerseits gibt es bei uns fast 500 Jahre nach Melanchthon in der globalisierten digitalen Welt keine Grenzen mehr, alle senden alles (auch das, was wir nicht wirklich wissen wollen) an alle.

 

Und theoretisch kann jeder am Wissen der Welt teilhaben, so gesehen könnte man meinen, die Aufklärung hätte ihr Ziel erreicht.

 

Andererseits erleben wir alle gerade, dass sich m Netz eher wie in einer Echokammer Emotion und Empörung – nicht selten auf der Basis von fake news verstärken, als dass sich dort Wissen und Wahrheit verbreitet. Die Menschen sind verunsichert, auf der Suche nach Identität,  Selbstvergewisserung, ja: Heimat und fallen nicht selten auf diejenigen herein, die Gleichheit zur Identität und Verschiedenheit zur Ungleichheit umdeuten.

 

Ist Bildung das „Bollwerk“ und Klugheit der „Schutzwall“ gegen die allenthalben spürbare Renaissance der „Renationalstaatlichung“, auch in Europa?

 

Nimmt man Melanchthons Ausspruch ernst, kann auch heute wie damals nur kluges Abwägen statt aufgeregtem Empören zu sicherem Urteil im Zusammenhang mit diesen Fragen führen:

 

„…so ist von euch eben dadurch vortrefflich und weise gehandelt worden, dass ihr in eure Stadt die angesehenen Wissenschaften - die Ernährerinnen aller Tugenden - gerufen habt,“

so Melanchthons Worte zur Eröffnung der Schule.

 

„Überdies verdient gerade in diesen harten Zeiten euer Entschluss besonderes Lob, da nun die Gefahr droht, dass die Wissenschaften in den verhängnisvollen politischen Stürmen Schiffbruch erleiden.“

 

Können wir hier in Nürnberg auf Basis alter Tradition, aber mit frischem Optimismus unseren Beitrag zum Schutze der europäischen Demokratie gegen alle politischen Stürme leisten? Ist unser Nürnberger Weg als Stadt der Menschenrechte aussichtsreich? Wie soll Politik und

bürgerlich-kulturelles Engagement in Nürnberg paradigmatisch sein und bleiben?

 

Ist die Fridays for Future-Generation die Antwort auf die drängenden Fragen unserer Zeit oder vielleicht nur eine weitere gesellschaftliche Spaltung? Wie verhält es sich mit Stimmung und Haltung in der Politik?

 

Können wir aus der speziell Nürnberger Vergangenheit - hier die Stadt des Humanismus, der Aufklärer, der lokalen Demokratietradition ähnlich den italienischen Stadtrepubliken und

dort die Stadt der Täter der NS-Zeit - lernen? Kann man das überhaupt aus der Vergangenheit lernen?

 

Dr. Ulrich Maly, promovierter Volkswirt und Nürnbergs Oberbürgermeister von 2002 bis 2020 und trotzdem noch Optimist, wird mit uns seine Sicht auf diese Fragen teilen. Nach seinem Vortrag haben die Zuhörer*innen gemeinsam mit den Schülern und Schülerinnen des Melanchthon-Gymnasiums die Gelegenheit auf Malys Thesen einzugehen und mit ihm auch kontrovers zu diskutieren.